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Naturerlebnisse inmitten einer intakten Landschaft

Mit ein wenig Glück kann man ihn bei einem Spaziergang durch die Wälder  der Dammer Berge entdecken: Kalle Katteker, das „Wappentier“ des Erholungsgebietes. Die Gattung, zu der er gehört, führt in jener Sprache den Namen, die in diesem Landstrich eine überwältigende Wiederbelebung erfährt: Im Plattdeutschen steht Katteker nämlich für Eichhörnchen.

Und die fühlen sich bekanntlich wohl in einer intakten Landschaft – so wie man sie in den Dammer Bergen vorfindet.


Einordnung und Verbreitung

Der Vorfahre unserer Eichhörnchen heißt Paramys und lebte bereits vor über 50 Millionen Jahren.  In der Gruppe der Säugetiere gehören die Eichhörnchen zu den Nagern. Die Hörnchen-Familie ist nahezu überall auf der Erde zu Hause.

Man unterscheidet Erdhörnchen, Flughörnchen und Baumhörnchen.

Zu den Baumbewohnern gehört auch das in Europa (und den Dammer Bergen) lebende heimische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris). Es fehlt in Europa lediglich auf Island, in Südengland, in Teilen der iberischen Halbinsel sowie auf den Mittelmeerinseln.

Eichhörnchen-Steckbrief

Name: Eichhörnchen, Eichhorn, Aichhorn, Eichkätzchen, Eichkatze, Katteker

Größe: 20 – 28 cm (Körper), 16 – 20 cm (Schwanz)

Gewicht: 290 – 400 g

Fellfarbe: Oberseite hellgelb, rot, braun bis
                 schwarz, Unterseite weiß

Sehen: Gute Augen mit einem Blickwinkel von fast 180
             Grad (schlechtes Farbsehen)

Riechen: Hervorragend

Tasten: Nicht nur im Schnurbart, sondern am gesamten
             Körper befinden sich "Fühlhaare".

Das Eichhörnchen ist sehr gut an ein Leben in den Bäumen angepasst, denn…

…der Körper ist klein, leicht und sehr beweglich

…die Hinterbeine sind kräftig

…an den Pfoten befinden sich spitze Krallen und rauhe 
   Sohlen- und Fersenballen

…der Schwanz dient dem Halten des Gleichgewichts, der
   Steuerung im Sprung, als Fallschirm im Sprung und der
   innerartlichen Verständigung.

 

Lebensraum und Nest

Das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) lebt in alten Waldbeständen mit geschlossenem Kronendach. Hierbei kann es sich um Nadel- oder Mischwald handeln. Bei genügendem Nahrungsangebot sind "Eichhörnchen" als anpassungsfähige "Kulturfolger" auch in Parks und Gärten zu finden.

Eichhörnchen verbringen die meiste Zeit ihres Lebens in den Baumkronen. Hier bauen sie, meist in Astgabeln, ihre kugelförmige Nester, die Kobel heißen. Das Nest wird aus Zweigen geflochten und mit weichen Materialien wie Gras und Moos ausgepolstert.

Ein Kobel hat einen Durchmesser von ca. 30 – 40 Zentimetern. Er besitzt einen oder zwei Eingänge oder auch zwei Nesträume. Manchmal nutzen Eichhörnchen auch Baumhöhlen oder sie bauen Krähen- oder Elsternester um.

Jahreslauf und Fortpflanzung

Eichhörnchen sind im Jahreslauf meist einzelgängerisch. Männchen und Weibchen leben nur zur Paarungszeit (Dezember bis April) beieinander. Kurz vor der Geburt der Nachkommen muss das Männchen den gemeinsamen Kobel (Eichhörnchennest) wieder verlassen. Die Tragzeit beträgt 38 Tage (ca. 5 Wochen). Meist werden 2 – 5 Jungen geboren. Diese wiegen bei der Geburt etwa 10 Gramm und sind blind und nackt. Mit 3 Wochen ist ein Fell ausgebildet, mit 4 Wochen öffnen sich die Augen. Bis zur siebten Woche werden die Jungtiere gesäugt (Nesthocker). Mit ca. 3 Monaten können sich die Tiere selbstständig ernähren und werden dann von der Mutter vertrieben.

Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf. Sie schlummern allerdings bis zu 22 Stunden am Tag in ihrem Kobel. Diesen verlassen sie meist nur zur Nahrungsbeschaffung. Ist das Wetter besonders schlecht, wie bei anhaltendem Frost, sind sie tagelang nicht zu sehen.



Nahrung

Eichhörnchen sind zwar Allesfresser, jedoch besteht der größte Teil ihrer Nahrung aus pflanzlicher Kost und hier vor allem aus fettreichen Samen. Im Herbst legen Eichhörnchen Futterverstecke an, um im Winter nicht hungern zu müssen. Fichtenknospen sind in der schnee- und frostreichen Zeit die einzig bedeutsame „Frischnahrung“.

Futterdepots werden in Baumhöhlen, Baumspalten, leere Vogelnester, im Boden und unter Steinen angelegt. Eichhörnchen verstecken mehr Samen, als sie im Winter fressen bzw. wieder finden. Damit tragen sie entscheidend zur natürlichen Waldverjüngung bei.

Eicheln
Haselnüsse
Nadelbaumsamen
Pilze
Beeren
Insekten
Eier
Jungvögel
Bucheckern
Jungtriebe
Pflanzenknospen
Honigtau
Schnecken
Wasser

Eichhörnchen sind auch bei der Nahrungssuche erfindungsreich und sehr lernfähig. So können sie mitunter nahe menschlicher Siedlung beobachtet werde.

 



Spurensuche

Selbst wenn man Eichhörnchen nicht selbst zu Gesicht bekommt, lassen verschiedene Spuren auf ihre Anwesenheit schließen.

Fraßspuren

Pflanzliche Überreste zeigen typische Fraßspuren.

Pfotenabdrücke

Auf schlammigen Waldwegen oder im Schnee kann man die sogenannten „Trittsiegel“ finden.

Besondere Merkmale:

a) Schlanke Zehen

b) Vorderpfote nur 4 Zehen

c) Sohlen- und Fersenballen

d) Hinterpfoten werden vor die Vorderpfoten gesetzt

Natürliche Feinde

Der größte „Feind“ des Eichhörnchens ist der Baummarder, der das Eichhörnchen durch die Baumkronen verfolgt. Der Baummarder kommt im Landkreis Vechta in geschlossen Waldgebieten wie dem „Herrenholz“ und der „Dammer Schweiz“ vor.

Aus der Luft droht dem Eichhörnchen vor allem Gefahr durch Greifvögel wie dem Habicht, dessen Bestand im Landkreis Vechta erfreulicherweise zunimmt (Ruholl, F. mündlich).

Um sich vor den Feinden zu schützen, hat das Eichhörnchen folgende Strategien:

· Die Farbe des Felles dient der Tarnung im jeweiligem Waldtyp
  (gelb bis rot = „heller“ Laubwald; braun bis schwarz = „dunkler“ Nadelwald)
· Das Eichhörnchen markiert (seine) Laufwege mit einem besonderem Duft.
· Bäume werden stets spiralförmig um den Stamm herauf und herunter
  belaufen.

Die Fortbewegung sieht immer ruckartig aus. Die Pausen werden hierbei zum Sichten der Umgebung genutzt.

Eichhörnchen-Rekorde

Schon gewusst, dass …

… Eichhörnchen Stürze aus einer Höhe von 15 – 20 Meter schadlos überstehen können?

… Die Schneidezähne von Eichhörnchen bis zu 15 Zentimetern pro Jahr wachsen?

… Eichhörnchen am Boden das fünffache ihrer eigenen Körperlänge springen
   können (etwa 1 m)?

… Eichhörnchen auch unter einer geschlossenen Schneedecke ihre vergrabenen
    Nahrung riechen können?

… Eichhörnchen in Bäumen 4 – 5 Meter springen können?

… man einmal ein Wintervorratslager mit 367 Haselnüssen, 59 Eicheln und
   anderen Sämereien gefunden hat?

… Eichhörnchen im Winter an frostfreien Tagen bis zu 22 Stunden am Tag schlafen?

Kulturgeschichte und Aberglaube

Eichhörnchen ...

... wurden in der Antike als Spieltiere gehalten, z.B. in Griechenland für Kinder, in Rom
    dagegen für Damen in gehobener Gesellschaft.

... galten bei den Germanen als heiliges Tier des Donnergottes „Donar“, der in Eichen wohnte.

... wurden v.a. in (Nord) Osteuropa und Sibirien als Pelztiere gejagt.

... sind in Magie und Aberglaube ein Symbol für Fruchtbarkeit

... bzw. deren Gehirne wurden verspeist um Schwindelgefühle zu vertreiben.

... galten als Symbol des Teufels, der in dieser Gestalt gerne die Menschen ärgerte.

... bzw.  deren Fell wurde gegen Rheuma auf Gelenke und für guten Schlaf in die Schläfen
    einmassiert.

... wurden verbrannt und als Asche kranken Hengsten als Medizin unters Futter gemischt.

Seit 75 Jahren unter Naturschutz

Auf der Grundlage des Reichsnaturschutzgesetzes von 1936 wurde die Reichsnaturschutzverordnung erlassen. Diese stellte Eichhörnchen als nicht jagdbares Wild unter Naturschutz.

1976 trat das (neue) Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) in Kraft. Dieses beinhaltete eine Ermächtigungsklausel die Reichsnaturschutzverordnung durch die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) abzulösen.

Seit 1980 ist das Eichhörnchen auch hier in „Anlage 1“ als besonders geschützte Tierart ausgewiesen.

Bestandsentwicklung in Niedersachsen

Die Bestandsentwicklung in Niedersachsen ist bislang noch nie untersucht worden. Dennoch berichten Zeitzeugen, dass Ende der sechziger Jahre der Eichhörnchenbestand (zumindest im Landkreis Vechta) drastisch abnahm und ca. 1980 seinen Tiefpunkt erreichte.

Seither, aber spätestens seit 1990 befindet sich die Anzahl der Eichhörnchen erfreulicherweise wieder auf dem „aufsteigendem Ast“. Der Grund für den Bestandseinbruch ist bis zum heutigem Tage nicht geklärt. Es wird gemutmaßt, dass entweder der Baummarder als Hauptfeind oder aber eine spezielle Eichhörnchenkrankheit der Grund war (Ruholl, F. mündlich).

Wie können wir aktiv helfen?

· Erhalten, pflanzen und pflegen von Pflanzen, die dem Eichhörnchen als Nahrungsgrundlage
  dienen können.
· Bitte Eichhörnchen in freier Natur nicht beunruhigen!
· Spendengelder ermöglichen spezielle Naturschutzmaßnahmen zu ergreifen und zu
  ermöglichen

Was tun bei einem kranken Tier?

Als krankes Tier gilt ein Eichhörnchen, das

a) offensichtlich Verletzungen hat oder

b) mehr als drei Stunden am selben Platz hockt.

Eichhörnchen …

… nicht mit bloßer Hand anfassen!

… können schmerzhaft zubeißen!

… können Tollwut übertragen!

… haben viel Ungeziefer (Zecken, Flöhe, Milben)!

Bundesnaturschutzgesetz § 20 d

(…) 1. wildlebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, verletzen oder zu töten,

(…) 3. Ohne vernünftigen Grund Lebensstätten wildlebender Tier- und Pflanzenarten zu beeinträchtigen oder zu zerstören.

(Bundesnaturschutzgesetz §20d)

Zuständige Behörde für erkrankte Eichhörnchen:

Landkreis Vechta
Ravensberger Straße 20
49377 Vechta

Zuständige Naturschutzbehörde
Tel.: 0 44 41 - 98 82 30 0

     
   
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